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Frauennotruf Regensburg e.V.
Beratungsstelle für Frauen und Mädchen
mit sexualisierten Gewalterfahrungen
             


Kein trautes Heim...

Und bist du nicht willig ...

Sexualisierte Gewalt in der Ehe
und in Beziehungen


Immer noch herrscht in der Öffentlichkeit eine stereotype Vorstellung von sexualisierter Gewalt: Ein Unbekannter überfällt nachts in einer einsamen Gegend eine junge "attraktive" Frau.
Sicher, es gibt auch diese Form von sexualisierter Gewalt und bestimmte Situationen und Orte (Dunkelheit, menschenleere Gegenden, Tiefgaragen, Unterführungen ...) sind für viele Frauen besonders angstbesetzt.
DENNOCH: Meistens ist der Täter der Frau bekannt.
Mehr als zwei Drittel aller sexualisierter Übergriffe finden im unmittelbaren sozialen Nahraum der Betroffenen statt, wie eine repräsentative Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts in Hannover zeigt. Ort der Gewalt ist zumeist die eigene Wohnung - und die Gewalt geht von Ehepartnern, Lebensgefährten und Familienangehörigen der Frauen aus.

Sexualisierte Übergriffe in Beziehungen können sehr verschiedene Formen annehmen. Oft muss der Mann gar keine körperliche Gewalt anwenden, um die Frau ohne oder gegen ihren Willen zum Sex zu bewegen - oder zu bestimmten sexuellen Praktiken, die sie nicht will. Gerade in Beziehungen ist psychischer Druck besonders häufig, z. B.:

Er wirft ihr vor, "frigide" oder "prüde" zu sein.
Er signalisiert ihr, dass er "Es" einfach braucht.
Er behauptet, in einer Beziehung ein Recht auf Sex zu haben.
Er setzt sie unter Druck, nun auch "zum Ende" gehen zu müssen,
weil sie schließlich mit ihm schmusen wollte.
Er sagt, Sex wäre ein Liebesbeweis.

Sie meint, aktiv mitmachen zu müssen, um von ihm geliebt zu werden.
Sie hat Angst, dass er seinen Unmut an den Kindern auslässt, wenn sie nicht "Ja" sagt, wo sie "Nein" sagen möchte.
Sie will nicht, dass er sie wieder mit anderen Frauen vergleicht, die sich angeblich "nicht so angestellt" haben.
Sie denkt, dass sich Liebe eigentlich anders anfühlt, aber schweigt und macht mit - um des lieben Friedens willen.

Viele Männer wenden jedoch auch körperliche Gewalt an, um ihre Partnerin zum Sex zu zwingen. Viele Frauen, die geschlagen werden, werden gleichzeitig auch sexuell gedemütigt.

Klar ist - die Ehe (oder jede andere Beziehungsform) ist kein Freibrief für sexualisierte Gewalt.
Seit 1997 ist auch in der Bundesrepublik Deutschland Vergewaltigung und sexuelle Nötigung in der Ehe strafbar (§177 StGB). Kein Mann kann sich mehr darauf berufen, dass er ein Recht auf den Körper seiner Frau hat. Der Gesetzgeber macht keinen Unterschied, ob ein Ehemann seine Frau vergewaltigt - oder ein Fremder.

Trotzdem - und obwohl die Frauen im Recht sind -
Es gibt 1000 Gründe, die Frauen schweigen lassen, Übergriffe weiter zu erdulden und mit Scham, Angst und Ekel alleine zu bleiben: Und dennoch, es gibt Gründe, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen. Der wichtigste Grund sind Sie selbst, Ihre Gesundheit, Ihre Nerven, Ihr Leben, Ihre Zukunft.